Ein Gespräch mit Pete Agnew, Bassist von Nazareth, über Linzer Biernächte und den schottischen Einfluss auf den Rock ’n’ Roll.

Herr Agnew, die Musik von Nazareth erstreckt sich über mehrere Jahrzehnte. Wie bleiben Sie kreativ und Ihren Wurzeln treu?

Wir machen das jetzt seit mehr als 55 Jahren – man muss sich immer wieder neu erfinden. Sonst wird’s langweilig, vor allem live. Wir spielen unsere alten Hits, aber jedes Mal versuchen wir, sie frisch klingen zu lassen. Das hält uns als Band lebendig.

Was macht den Welthit ,LoveHurts’ so besonders?

Es liegt vor allem an Dans Gesang – der war einfach unglaublich. Und natürlich am Text, der sehr romantisch ist und viele Menschen berührt. Jeder hat schon einmal Liebeskummer erlebt. Außerdem war es damals eine der ersten großen Rockballaden überhaupt.

Welche Auftritte sind der Band besonders im Gedächtnis geblieben?

Es sind oft nicht die perfekten Shows, an die man sich erinnert, sondern die verrückten. Vor Kurzem zum Beispiel: In Estland mussten wir wegen eines Gewitters nach drei Songs abbrechen. Die Show am nächsten Abend war zwar großartig – aber was wir letztlich in Erinnerung behalten, ist der Sturm.

Nazareth ist eine schottische Band – wie sehr spiegelt sich Ihre Herkunft in der Musik wider?

Unser Humor, unsere Denkweise – das ist alles sehr schottisch. Und unsere Wurzeln reichen weit. Vieles von dem, was heute Country- oder Rockmusik ist, hat Einflüsse aus alten schottischen Volksliedern. Man kann also sagen: Auf Umwegen haben Schotten den Rock ’n’ Roll mitgeprägt!

Wenn Sie einen Moment Ihrer Karriere noch einmal erleben könnten – welcher wäre das?

Ich würde den Moment zurückholen, als ich meine ersten Verträge unterschrieben habe. Damals wussten wir nichts über das Geschäft. Viele Entscheidungen von damals begleiten uns ein Leben lang.

Was würden Sie jungen Musikern heute raten?

Es ist heute gleichzeitig einfacher und schwieriger. Jeder kann zu Hause Musik aufnehmen und online veröffentlichen – aber genau das machen Millionen. Die Konkurrenz ist ungleich schwieriger. Mein Rat: Werdet live richtig gut. Denn mit Plattenverkäufen verdient heute niemand mehr viel.

Wie möchten Sie als Band in Erinnerung bleiben?

Wir waren nie nur Hardrock, nie nur Metal – jedes Album klang anders. Das hat uns vielleicht daran gehindert, in einem Genre ganz groß zu werden, aber es hat uns 25 Alben und eine lange Karriere ermöglicht. Für uns war es wichtig, spannend zu bleiben – für die Fans und für uns selbst.

Erinnern Sie sich an Ihre Auftritte in Linz zurück?

Oh ja! Ich erinnere mich besonders an einen Gig 1974 – es war mein Geburtstag, und wir hatten ein bisschen zu viel von dem guten Linzer Bier. Das Hotel war zu, wir kamen nur durch ein Fenster rein und haben mit neun Leuten in einem Zimmer übernachtet. Das war wirklich unvergesslich! Seitdem denken wir bei Linz immer zuerst an diese Nacht.

Wenn Nazareth ein Getränk wäre, welches wäre es?

Ganz klar: ein großes Bier. Wir sind keine Cocktail- Band – eher ein ehrlicher, langer Schluck.

2016 spielte die schottische Band Nazareth schon einmal beim Linzer- „Krone“-Fest auf. Damals noch am Hauptplatz.

Mit „Love Hurts“ – veröffentlicht 1975 auf dem Album „Hair of the Dog“ – landete Pete Agnew einen Welthit. Die Band verkaufte rund 60 Millionen Alben.

Weitere Infos zum Programm unter: www.kronefest.at/Line-Up

Interview: Vera Lischka | Foto: © Dagmar Heinrich-Hoppen | Bericht vom 03.August 2025